2010

Irland, Oktober 2010 - Sligo, Achill Island und Hill of Tara

Anreise

Automatikschaltung und Linksverkehr, das zusammen bildet die erste größere Herausforderung. Das Entziffern von Beschilderungen, je weiter man sich von Dublin entfernt, ist dann die Nächste. Wo in Gaelic, also Irisch, gemachte Angaben durch Englische ergänzt werden, da findet man sich noch ziemlich gut zurecht. Später, in der Gaeltacht, wo überwiegend Irisch als Muttersprache vorherrscht, findet man kaum noch englische Zusätze oder Erklärungen. Aber mit dem Wissen und den Erkenntnissen von 2006 und einer "jahrelangen" Vorbereitung, sind wir bestens ausgestattet und nicht vom rechten Weg abzubringen. Gutes Kartenmaterial und höfliches Fragen, lassen uns die Strecke von Dublin nach Inishcrone, im County Sligo, ohne größere Probleme bewältigen.
Bei Foxford fahren wir durch den Nephin-Beg, ein beeindruckendes Bergmassiv mit typischen Seen und einer Landschaft, ähnlich der Connemaras, die wir schon 2006 besucht hatten.
In Ballina nehmen wir dann die Küstenstraße.
Das ist übrigens eines unserer Leitmotive: Nicht dort fahren, wo es die Touristenbusse und die Leute, die keine Zeit haben, tun. Runter von den Hauptstraßen. Schon begegnen einem die schönsten Landstriche, herrlichsten Ausblicke und nettesten Leute. Im Westen Irlands kann man fragen, wen man will, immer bekommt man ein Lächeln, eine freundliche, meist kompetente Auskunft, oft ergänzt durch die Frage: "Where you come from ?" und ist kurzerhand in ein herzliches Gespräch verwickelt, das dann mitten auf der Fahrbahn stattfindet und niemand scheint es zu stören.
Noch bevor wir im Hotel eintreffen, schauen wir auf die Mündung des River Moy in die Killala-Bay bei Ebbe. Wir haben uns Zeit gelassen und es dämmert langsam. Verweilen ist die Devise für 2010. Das Hotel läuft uns nicht davon. Davon haben wir seit Jahren geträumt. Nun sehen und hören und schmecken wir wieder unser Irland.

Die irischen Schwestern

Das Hotel entspricht unseren Vorstellungen. Komfortables, sauberes Zimmer, gutes Dinner und der Barkeeper ist Sven aus Dresden. Der lebt hier schon seit zehn Jahren, hat Frau und Kind und keine Sehnsucht mehr nach Deutschland. Was wir gut verstehen können. Darauf ein Pint Guinness. Slantje Sven !
Allerdings ist der angebotene Roomservice, Frühstück auf dem Zimmer, ein absolutes Disaster. Schwarzer Toast, vergessene oder schmutzige Teller, einfach zuwenig von allem, was von uns geordert wird, das alles gipfelt in 1 1/2 Stunden Wartezeit.
Nach drei Tagen geben wir es auf und ziehen ins "Magumbha´s". Ein kleiner Imbiß, würden wir in Deutschland sagen. Den haben wir am Tag zuvor entdeckt und dort einen leckeren Lunch verzehrt. Ihr wißt schon, Lunch, die Mahlzeit um die Mittagsstunde, zu der man sich ein kleines Sandwich oder ein Süppchen genehmigt, denn richtig groß und warm gegessen wird erst zum Dinner am Abend. Ein Glückstreffer, denn hier sind es Iren, die sich unserer "Not" annehmen. Den Lunch serviert uns eine von zwei Schwestern, etwa so alt wie wir und durch und durch Irin. Wie so oft, sind wir sofort in ein Gespräch verwickelt. Die meisten Iren pflegen eine Neugier, die aber nichts Aufdringliches hat. Im Gegenteil, man unterhält sich auf eine Art und Weise, als kenne man sich schon lange Zeit. Man wird wie ein Freund behandelt, nicht wie ein Fremder. Die Iren wissen wohl den Unterschied zwischen Touristen und Besuchern zu machen. Zu letzteren zählen wir uns, denn würden die Iren mit uns trinken und lachen, wenn sie uns nicht als "dazugehörig" akzeptieren würden ? Ja, ja, ich hör schon wieder das Raunen auf den hinteren Plätzen. Von wegen, so kommen die Iren zu einem billigen Drink. Irrtum, denn, wenn man einem Iren einen ausgibt, bekommt man sofort einen Drink zurück. Das kann zu fortgeschrittener Stunde zu Gleichgewichtsproblemen führen und will wohlüberlegt sein. Und billig wird das auf gar keinen Fall.
Nach dem vorzüglichen Lunch verabreden wir uns für das Frühstück am nächsten Tag. Pünktlich, neugierig und hungrig erscheinen wir am Morgen darauf im "Magumbha´s". Dort empfängt uns die Jüngere der beiden Schwestern, ebenso freundlich und aufgeschlossen. Es gibt ein frisch zubereitetes "Full Irish Fry", bei dem absolut nichts fehlt und ein herrlich duftendes "Scrambled Eggs with Irish Salmon". Noch nie haben wir so riesige Frühstücksteller gesehen. Auffallend, Kaffee gibt es in Irland in einer Qualität, daß man meint, man wäre in Italien. Selbst an den Tankstellen mit Markt oder Lounge. Das ist ein hervorragender Auftakt für einen schönen Urlaubstag. Und es kommt noch besser. Der jüngeren Schwester klagen wir unser Leid, wegen des nirgends zu findenden Irish Stews und sie bietet uns an, es für uns zu kochen. Wir müssen nur Abends in "The Pilot Bar" kommen. Die gehört ihr, und ein original hausgemachtes Stew mit einem frisch gezapften Guinness wird unseren Gaumen verwöhnen. Dieses Angebot schlagen wir natürlich nicht aus und genießen einen phantastischen Abend mit freundlichen Leuten bei leckerem Essen und gutem Bier.

Yeats Lissadell House Garden

Von Inishcrone fahren wir Richtung Sligo durch Strandhill. Natürlich wieder auf der Coastroad. Selbst jetzt im Oktober hat man in Strandhill das Gefühl, touristisch gut aufgehoben zu sein. Die Leute flanieren auf der Strandpromenade und jugendliche Surfer bevölkern die Straßen des kleinen Ortes. Die Parkplätze wirken voll belegt. Camper und Vans mit aufgepflanzten Surfbrettern stehen dicht aufgereiht. Wie wir später erfahren, gibt es zu dieser Jahreszeit, einzig an der irischen Westküste, die besten Wellen der Welt. Besser als auf Hawaii. So erzählen uns begeisterte, walisische und holländische Kajaksurfer.
An der Texaco-Tankstelle mit dazugehörigem "Centra"-Markt pausieren wir bei Milchkaffee und Sandwiches. Alles frisch, wie selbstgemacht.
Die Durchquerung Sligos gestaltet sich ähnlich wie in Galway. Plötzlich gibt es Spuren, Ampeln und Schilder. Eigentlich kein Problem, aber wo wollen wir nochmal hin ? Einmal falsch abgebogen, auch kein Problem. Wenden und schon sind wir wieder in der richtigen Spur und fahren nach Drumcliff. Auf dem Weg dorthin beeindruckt uns der "Hausberg" von Sligo, der mächtige King´s Mountain. In Drumcliff verlassen wir dann wieder die Hauptstraße und fahren durch Carney und am Strand der Drumcliff Bay entlang nach Lissadell. Die Aussicht auf die begleitende Landschaft ist wundervoll und man kann nicht anders, als auszusteigen, um einen Moment die Ruhe und die Schönheit der Bucht zu genießen.
Ein toller Effekt, die Augen weiten sich und man hat das Gefühl, der Himmel, der Atlantik, der Strand, die Felsen und die Häuser in der Ferne, die Möwen, die Sonne und die Farben der Moose, Flechten und Bäume, stürzen alle zusammen auf die Netzhaut und füllen das gesamte Hirn aus. Da ist plötzlich kein Platz mehr für anderes. Und genau das ist es, was den Westen Irlands für uns ausmacht. Die schroffen, mächtigen Felsen, der raue Atlantik, das Wetter und die dauernd wechselnden Licht- und Farbenspiele, vereinen sich in einem unfaßbar großen Bild, das nicht mehr schroff wirkt. Man muß diesem herrlich farbigen Bild einfach erliegen.
Verweilen heißt die Devise. Im Oktober finden nicht mehr viele Touristen den Weg hierher.
Wir haben Glück mit dem Wetter. Es ist mit 17 Grad C ungewöhnlich mild, wie uns die Einheimischen bestätigen. Und es regnet nicht. Im Gegenteil, wir genießen strahlenden Sonnenschein. In Lissadell stellen wir das Auto auf dem verwaisten Parkplatz ab. Im Wirtschaftsgebäude, das unter anderem ein Cafe und eine Yeats-Ausstellung beherbergt, kaufen wir mit einigen unliebsamen Verständigungsschwierigkeiten zwei Karten für die Gärten und die Yeats-Galerie, obwohl ich der Angestellten vergeblich klar zu machen versuche, daß wir nicht wegen der Yeats hier sind. Wir sind zwar relativ belesen, aber die Yeats sind uns leider zwangsläufig vor der Wende und auch dann danach, aus reinem Desinteresse nicht begegnet und wenn wir nicht interessiert sind, dann stehen wir auch dazu. In diesem Fall gibt es anscheinend, da wir im Herzen des Yeats-Landes sind, keine Ausnahme. Wir müssen auf die Galerie. Die Mehrkosten von 20 Euro bringen dann aber leider keinen Gewinn, wohl kennen wir doch einige der angesprochenen Buchtitel, aber die dazugehörigen Autoren bleiben uns fremd und wir trollen uns in den Wirtschaftsgarten des Hauses. Hier sind wir wieder allein mit uns und der Natur, wobei uns einfällt, das wir ja deshalb auch hierher gekommen sind.
Ein Garten im Stil der italienischen Renaissance, allein zur Deckung des Eigenbedarfs angelegt, aber kunstvoll gleichfalls der Erholung und der Entspannung gewidmet. Hohe Ziegelmauern, hinter denen Palmenwipfel winken, fangen den Wind und speichern die Sonnenwärme, die sie dann an den fetten, schwarzen Erdboden langsam wieder abgeben. Dort gedeihen dann Brunnenkresse und Kohl, Äpfel und Kürbisse, Himbeeren und Kartoffeln und vieles mehr. Es gibt noch jede Menge Insekten und deshalb auch Vögel. Der am weitesten in Irland verbreitete, so scheint uns, ist Robin the Redbreast, das Rotkehlchen. Ihm begegnen wir allerorten und wie schon 2006, erleben wir ihn sehr menschenfreundlich, kein bißchen scheu. Überall hört man sein Lied und wir werden später erleben, wie die Leute sich nach dem Lunch auf die Bank vor das Haus setzen, um ihm zu lauschen.
Die gekauften Karten beinhalten den Besuch des alpinen Steingartens. Wir suchen, trotz unseres guten Orientierungsvermögens, vergeblich danach, geben dann aber, wegen der Weitläufigkeit des Geländes und der fehlenden Möglichkeit der Nachfrage, auf und fahren zurück zum Strand, wo sich mittlerweile ein paar Kite-Surfer mit dem auflandigen Wind vergnügen.
Auf der Rückfahrt nach Inishcrone treffen wir dann in Easky, wo wir wieder mal Richtung Küste abgebogen sind, auf Kajak-Surfer aus Wales. Weit draußen vor der Mole eines kleinen Hafens, in dem keine Boote mehr ankern, tummeln sie sich wie Delphine in und auf den 10 - 12 Meter hohen Wellen. Am Strand ragt ein riesiger, alter Steinturm empor, in dessen Schatten sich junges und altes, touristisches und einheimisches Publikum in Autos, auf Klappstühlen und den Dächern von Campingbussen an der nassen Show erfreut.
Den Abend werten wir dann in der Hotelbar, mit Sven dem Barkeeper aus Dresden, aus. Darauf noch ein Pint Guinness. Slantje !

Ballina

In Ballina mündet der River Moy in die Killala-Bay. Das Schauspiel der Tide kann man noch innerhalb der Stadt beobachten. Boote dümpeln im Flachwasser und Angler in überlangen, wasserdichten Hosen, stehen hemdsärmelig in der hüfthohen Strömung, um Forellen oder Lachse zu fangen.
In der City der kleinen Stadt werden gerade die Straßen erneuert. Wir umkreisen dreimal das Zentrum, um einen Parkplatz nahe der Shopping-Möglichkeiten zu finden. Einkaufen heißt hier "Penneys" und ist so preiswert, wie es klingt. Vor allem bei Kindersachen fällt uns das auf.
Womit wir bei der nächsten Auffälligkeit sind: Die Iren an der Westküste lieben Kinder ! Das sehen wir nicht nur an der äußerst günstigen Preisgestaltung für Kinderklamotten, sondern auch an Dingen, wie z.B. Betreuung; in Keel auf einem Spielplatz kümmerten sich acht Aufsichtspersonen um fünfzehn Schuluniform tragende Kinder unterschiedlichster Hautfarbe ! Integration durch Aufmerksamkeit und Zuwendung. Oder wer z.B. keinen staatlichen oder kirchlichen Platz, was hier oft das selbe ist, für die Betreuung seiner Kinder im Vorschulalter findet, der gibt sie zu einer Nachbarin, oder diese sieht bei einem zu Hause nach dem Rechten. Die Leute sind hier im Ländlichen füreinander da. Das mag nicht in jedem Fall stimmen, Ausnahmen gibt es ja auch in Deutschland, aber alle Iren, die wir an der Westküste getroffen haben, handhaben das so. Und das ist nicht immer einfach, wenn man bedenkt, das alle Wege mit dem Auto, ob der oft weit auseinanderliegenden Orte, erledigt werden müssen.
Ihr Umweltschützer könnt ja mit dem Fahrrad fahren, das werdet ihr allerdings nicht lange durchhalten. Die Entfernungen sind doch beachtlich weit. Ein Elektroauto wäre hier eine gute Alternative und angesichts der vielfältigen Möglichkeiten zur alternativen Energiegewinnung, vielleicht auch in naher Zukunft machbar.
Oder ihr nehmt euch einfach nur ein Beispiel an den Iren, die gehen nämlich zu Fuß und zwar jede Strecke bei jedem Wetter. Egal wie weit oder wie lange. Da muß ein Jogger in Berlin lange für joggen.

Ballycastle, Céide Fields und ein "Neuseeländer" am Levally Lough bei John Dever

Pünktlich zu unserer 11-Uhr-Kaffeezeit treffen wir in Ballycastle ein. Ein kleiner, hübscher Ort, den man in zwei Minuten passieren kann. Wenn da nicht das kleine "Kuchenhaus" wäre, wie ich es nenne. Ein typisch, irisches Häuschen aus Feldsteinen duckt sich zwischen die danebenliegenden, ausgebauten und frisch verputzten Wohnhäuser. Ein Blickfang und zugleich eine Einladung, denn das Äußere läßt auf Gemütlichkeit und Wärme schließen. Das bestätigt sich sofort beim Eintreten, wir stehen in einer großen Wohnstube mit Kamin und die rustikale Einrichtung vermittelt genau das, was wir auf der Straße ahnten. Eine liebenswerte, junge Frau empfiehlt uns ihren hausgemachten Kuchen und es gibt einen heißen, aromatischen Kaffee dazu, der die Lebensgeister aufmuntert. Draußen regnet es derweil und wir fühlen uns "sauwohl". Die Preise sind angenehm und als wir aufbrechen, um nach Céide Fields weiterzufahren, lacht vor der Tür wieder die Sonne. Wir haben uns versprochen, daß jeder Regenbogen einen extra Kuß wert ist und wir lösen unser Versprechen ein. Es gibt noch viele Küsse, aber selten werden wir wirklich naß.
Céide Fields ist ein archäologisches Areal, mit vielfältigen Anzeichen für die frühe Besiedelung in der Jungsteinzeit. Das Besucherzentrum ist auf der höchsten Erhebung als fast gläserne Pyramide erbaut und man kann es schon von weitem gut sehen.
Auf dem Parkplatz, der nur eine Straßenbreite von den Klippen entfernt ist, bekommen wir einen ersten Eindruck von der unglaublichen Aussicht. Das verstärkt sich noch, als wir die Pyramide "ersteigen" und ein Panorama sehen, das uns im wahrsten Sinne des Wortes den Atem verschlägt. Hier oben weht ein Wind, der einem das Atmen schwer macht. Auch das Fotografieren wird zur Sportnummer, man kann tatsächlich die Hände bei diesem Wind nicht ruhighalten. Wir steigen wieder hinunter zur Straße, dort befindet sich ein kurzer Abstieg über eine Treppe zu einem Aussichtspunkt oberhalb der Klippen. Wir stehen ziemlich genau an der Kante und blicken in die Tiefe, in der sich der Atlantik tosend an der Insel bricht. Rechtzeitig bemerken wir eine hinter uns aufziehende, schwarze Wolkenwand und flüchten ins Auto. Genau in diesem Moment geht ein Hagelschauer über uns nieder. Die Körner sind so groß wie rote Bohnen und erzeugen auf dem Blech des Autos ein Geräusch, wie Steinschlag in der Waschanlage. Das Ganze dauert ca. 10 Minuten und danach gibt es wieder einen Extra-Kuß.
Wir wollen zurück nach Ballycastle und von dort, in Richtung Foxford über Crossmolina, den Lough Conn und den Nephin umrunden. Dieser große Berg, den man von überall in der Gegend sehen kann, liegt inmitten des Nephin-Beg, einem beeindruckenden Bergmassiv südwestlich von Ballina.
Wir fahren noch einen kleinen Abstecher an die Bunatrahir Bay und erleben ein herrliches Regenbogen-Schauspiel über riesigen Wellen, die der Wind gegen das Festland schiebt.
Zwei Fischer bergen ihr Boot aus der Gischt und scherzen mit uns, ob des schönen Anblicks. Hätten sie extra für uns bestellt. Wir scherzen zurück und meinen, die Fotos haben wir gemacht, sie können "das Bild" wieder abräumen und einpacken. Gelächter auf beiden Seiten und ein derbes Schulterklopfen: Mit solchen Leuten würden wir sofort ein Guinness trinken. Slantje !
Vor Ballycastle biegen wir ab in Richtung Crossmolina, fahren dann nach Derreen und auf Nephin-Schleichwegen weiter nach Bofeenaun. Hier, am idyllisch gelegenen Levally Lough, pausieren wir im Angler-Hotel von John Dever und genehmigen uns lecker Sandwiches und Kaffee. Da wir die einzigen Gäste sind, kommen wir bald ins Gespräch mit dem freundlichen Wirt und es stellt sich heraus, daß er, wie so viele Iren, jahrelang in Deutschland gearbeitet hat. Überwiegend im Pfälzer Weinbau. Erstaunlicherweise führt er keinen deutschen Wein auf seiner Karte, vielleicht haben nicht alle seine Erfahrungen in "Germany", zu einem guten Eindruck von uns Deutschen beigetragen. Kann auch sein, daß er den deutschen Wein einfach nicht mag. Wir verkosten einen weißen "Neuseeländer", der vorzüglich mundet und er gibt uns seine Karte. Slantje und Slan !
Zeit für die Rückfahrt, es dämmert schon. Als wir in Inishcrone ankommen, ist wieder ein Extra-Kuß fällig. Wegen des letzten Regenbogens und überhaupt !

Inishcrone

Der Ort ähnelt entfernt manchem Mecklenburger Dorf an der Ostsee. Maritim und touristisch, aber jetzt in der Nachsaison eher ruhig und sehr einheimisch. Der auffälligste Unterschied sind die an der Haupt- und Durchfahrtsstraße aufgereihten Pubs und Hotels, Pensionen und Discos, von denen die meisten jetzt geschlossen sind. Wie schon erwähnt, Oktober ist kein Touristenmonat. Trotzdem wirkt der Ort nicht verschlafen. Die Iren beginnen ihren Tag spät, aber gegen 10 Uhr ist doch schon Einiges in Bewegung. Der "Centra"-Markt ist gut besucht und an der angegliederten Tankstelle sind alle Parkplätze belegt.
Wir wollen aber zuerst an den Strand, denn das Wetter verspricht einen herrlichen Tag und wir haben Lust auf einen ausgedehnten Spaziergang. Am Ende der Bridge-Street gibt es ein paar freie Parkplätze. Daneben steht ein kleines Toilettenhäuschen, daß allerdings verschlossen ist. Geöffnet nur für Touristen in der Hauptsaison. Der Strand ist 5 km lang, wir werden uns disziplinieren müssen.
Zuerst gehen wir in Richtung Hafen am Cliff Bath vorbei, daß komplett weiß getüncht, schon von weitem zu sehen ist. Erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts, erinnert sein Stil an eine Burg, allerdings in einer Mini-Ausführung. Hier kann, wer will, ein Bad in der irischen "Wunderalge" nehmen. Eine Rotalge, aus der man "Carrageen" gewinnt, die man hier ißt, z.B. haben wir sie in manchen "Sausages" gefunden, oder als Tee trinkt, mit der man sich einreibt, oder mit der man baden und saunieren kann. Wer davon regelmäßig ißt, trinkt oder darin badet, der hat die Aussicht auf ein gesundes Leben und ein sehr hohes Alter.
Das Bad hat seinen Namen von den Klippen, auf welche die Hafenmauer gebaut wurde. Am Fuße derselben steht es und wird sicherlich oft von Sturm und Flut heimgesucht.
Zur Zeit herrscht Ebbe und wir gelangen trockenen Fußes bis an die Mole, an der sich auch eine breite Slipanlage für Fischerboote befindet. Nur Fischerboote sind kaum noch da. Ein paar liegen auf Land hinter der Hafenmauer und sie sehen nicht danach aus, als wenn sie regelmäßig hinausfahren würden. Ob der "EU" klar war, was sie mit ihrer Fischerei-Quotenentscheidung anrichten würde ?
Der Blick von der Mole über die Killala-Bay, ist atemberaubend schön. Kilometerlange, kleine Wellenkämme wandern, wie weiße Schaumschnüre einer nach dem anderen, gemächlich in die Bucht und auf den Strand zu, wo sie sich seiner herrlich geschwungenen Form fügen, um dann gemeinsam im weißen, sauberen Sand zu versiegen. Für den Erhalt ihrer schönen Strände vergeben die Iren die "blaue Flagge", als Zeichen für gelungenen Schutz der Umwelt und ihres Kulturgutes. Dankeschön !
Dort, wo die Wellen den Strand treffen, steht weit von uns entfernt, ein Mensch in der Brandung. Es sieht aus, als stecke dort ein Pfahl im Sand, aber wir erkennen mit dem Fernglas, daß es sich um einen Angler handelt. Wir beschließen, zu ihm zu wandern, um in Erfahrung zu bringen, was er da fangen will.
Es dauert seine Zeit, bis wir zu ihm gelangen, wir schätzen die Entfernung auf fast zwei Kilometer. Das, was aus der Ferne so ruhig aussah, wirkt so nah, plötzlich ganz anders. Hektisch zieht er an seiner Angel, die mit der Spitze im Wasser liegt und an der sich etwas "Großes" bewegt. Als er uns sieht, winkt er uns um Hilfe und als wir näher kommen, erkennen wir eine junge Sturmmöwe, welche sich in seinem Angelzeug verheddert hat. Martin, ein Einheimischer in unserem Alter, hatte "Plattfisch", also Flundern angeln wollen und die Möwe war wohl gierig nach dem Köder gewesen. Dabei kam es zu diesem Malheur. Erfreut über unsere Hilfe, bittet er uns einen Moment auf die Rute zu achten, er müsse nur aus seinem Auto ein Messer holen, um die Sehne durchzuschneiden, die sich um den Flügel der Möwe gewickelt hatte. Als er zurückkommt, hat er Lederhandschuhe dabei, um sich vor dem harten Schnabel der Möwe zu schützen. Die hackt wütend nach ihm. Gemeinsam halten wir den großen Vogel fest, damit er sich nicht noch mehr verletzt. Als Martin die Angelsehne durchtrennt hat, taumelt die Möwe kurz über den Sand und erhebt sich dann aber sofort in die Luft. Sie hat sich nur leicht verletzt und nicht weiter Schaden genommen. Aber sie hat etwas gelernt. Martin bedankt sich bei uns, richtet seinen Kram und zieht ohne Fang davon. Wir spazieren noch längere Zeit auf dem Strand in Richtung Golfplatz, der als hügeliges Gelände am nahen Horizont zu sehen ist. Wir fotografieren Treibholz, Strandgut, blaue Muschelschalen, Algen, Steine und allerlei winzige Tierchen. Als wir bemerken, daß die Flut steigt, beschließen wir umzukehren, und fahren zurück auf die andere Seite der Bucht.
Kurz vor dem Hafen liegt das "Inishcrone Lighthouse". In früheren Zeiten war das ein richtiger Leuchtturm, heute kann man hier als Feriengast luxuriös wohnen. An diesem Turm ist eine Webcam montiert, die uns zu Hause in Berlin, Tag und Nacht den Strand von Inishcrone zeigt. Jetzt sehen wir von diesem Platz aus das Bild, das wir sonst im Internet anschauen. Aber das Original ist tausendmal schöner, denn wir können es nicht nur als Panorama sehen, sondern auch schmecken und riechen und wir fühlen den Wind, der in die herrliche Killala Bay weht.
Wir gehen noch viele Male an diesem wundervollen Strand spazieren.

Achill Island

Ankunft

Will man die Insel mit dem Auto besuchen, hat man nur eine einzige Möglichkeit. Man benutzt die Brücke, die über den Achill Sound führt. Als wir sie passieren, sehen wir bereits die Markthäuser von "Sweeneys". Hier, an der "Windy Corner", hat Böll schon in den fünfziger Jahren eingekauft. Die Inselbewohner bekommen heute hier alles, was das Herz begehrt. Allerdings haben sich Brücke und Gebäude seit damals um einiges verändert. Auf Bildern im Sweeneys-Cafe können wir sehen, wie es zu Zeiten Bölls hier aussah. Der Espresso ist ausgezeichnet und wir schmieden Pläne. Wir wollen ein Ferienhaus, also ein "Cottage" finden und haben uns vorgenommen, die Insel von hinten "aufzurollen". Wir nehmen die Hauptstraße Richtung Westen und wollen, wenn die Straße endet und es nicht mehr weitergeht, mit der Suche nach einer Unterkunft beginnen.
Wir fahren durch Keel und Dooagh, immer den Croaghaun vor Augen. Der höchste Berg Achills, gilt mit 668 Metern auch als die höchste Klippe Irlands. Seine Spitze liegt im Nebel verborgen, was, so sagen die Einheimischen, bedeuten soll, daß das Wetter schlechter wird. Aber es regnet nicht und ab und zu blitzt sogar ein wenig Sonne durch die Wolkenschleier.
Hinter Dooagh geht es steil bergauf. Wir fahren links am Abhang, unter uns der Atlantik und Maria rückt immer weiter in meine Richtung. Abhänge sind ihr nicht geheuer und ich versuche, so dicht wie möglich am Mittelstreifen zu fahren. Kein Problem, wir haben keinen Gegenverkehr. Allerdings muß ich langsam und Slalom fahren, denn die Prioritäten sind hier anders verteilt. Schafe, wohin das Auge blickt. Über uns, unter uns, auf der Straße, einfach überall. Die Tiere sind wahre Kletterkünstler. Wo die weiden, würde ich nicht mal stehen wollen und wenn die Sonne den Asphalt erwärmt hat, liegen sie auch schon mal mitten in der Spur. Auf dem höchsten Punkt angelangt, halte ich an und wir genießen einen herrlichen Blick über den Keem, eine der schönsten Buchten mit Sandstrand, ganz am Ende Europas. Der Rest der Straße führt dann in Serpentinen hinunter zu einem Parkplatz , etwas oberhalb der Bucht.
Dann stehen wir, umschlossen von rot, braun, gelb und grün eingefärbten Bergen im Sand des menschenleeren Keems, neben einem schnell fließenden Rinnsal, das von dort oben kommt und sich über den Strand einen Weg in den Atlantik sucht. Den schafbesetzten Croaghaun im Rücken, geht der Blick weit hinaus über das wirklich blaue Meer und sucht sich in der endlosen Ferne zu verlieren. Die Sonne scheint jetzt und der Himmel strahlt wolkenlos. Möwen schweben über uns und ein feiner, salziger Windhauch liebkost unsere Wangen. Kleine Wellen setzen verspielt ihre Schaumkrönchen in den Sand der Bucht und vereinen sich zurückflutend mit den beinahe spiegelglatten Wassern des Atlantik. Uns scheint, wir stehen hier schon eine Ewigkeit, jenseits von Zeit und Raum.
Dieses Bild prägen wir uns, für alle zukünftigen Krisen und Herausforderungen, als Zuflucht in unser Hirn. Hier werden wir bleiben. Wir sind angekommen.

Fuchsia Lodge

Es ist Samstagnachmittag und wir brauchen ein Ferienhaus, hier üblicherweise auch Cottage genannt, also Landhaus oder so ähnlich. Noch in Berlin haben wir im Internet eine Vorauswahl an Cottages und Hotels, sowie Pensionen und B&Bs getroffen und auf A4 gebannt. Mit diesem Papier nehmen wir jetzt die Suche auf. Wir fahren zurück, Richtung Keel. Bergab, auf halber Höhe des Croaghaun, werden unterhalb eines Stausees, auf einer riesigen Anzeigetafel, Ferienhäuser angeboten. Die stehen nicht auf unserem Plan, aber man kann sich das ja mal anschauen. Wir biegen ab und finden eine Ansammlung von Blockhäusern, die von Außen einen ganz manierlichen Eindruck machen. Es ist Nachsaison und fast alle wirken unbewohnt. Am Ende der kleinen Siedlung sehen wir einen Bewohner in seiner Küche werkeln. Wir beschließen mit ihm zu reden, vielleicht ist das ja der Vermieter. Er ist es nicht. Er kommt aus Tipperary, ist ausgesprochen freundlich, das Haus ist sein Eigentum und er verbringt seine Ferien hier. Aber er kennt Miss Mc Namara, die Vermieterin und hat sogar eine Telefonnummer, die er auch gleich benutzt, um uns anzumelden. Miss Mc Namara hat gerade keine Zeit, aber er hat, oh Wunder, einen passenden Schlüssel zu einem passenden Haus und bittet uns, dieses zu besichtigen. Wir fahren, an den anderen leeren Häusern vorbei, hinüber zu dem angebotenen Haus. Es steht, etwas erhöht, in der zweiten Reihe, oberhalb der Straße und man hat von hier einen fast freien Blick über Dooagh, Keel und die große Bucht am Kathedral Rock. Als wir die Tür öffnen, schlägt uns ein etwas muffiger Geruch entgegen, hier wurde wohl längere Zeit nicht gewohnt bzw. gelüftet. Aber ganz unbewohnt ist dieses Haus doch nicht. In den Deckenbalken und an den schrägen Fenstern des großen Wohnraumes, der sich über zwei Etagen streckt, nisten Spinnen, so groß und haarig, wie Distelköpfe. Die Betten im Obergeschoß haben den feuchten Mief aufgenommen und ich ahne, daß ich hier nicht wohnen und vor allem, nicht schlafen kann und will. Ich will ein bißchen mehr Komfort und vor allem etwas Unabhängigkeit. Weg von der Welt, aber trotzdem nah genug an den Einheimischen und ihrem Leben. Wir geben den Schlüssel zurück, bedanken uns und machen uns wieder auf die Suche.
Auf unserem Papier steht Mister Chris Cuttigan. Wir halten am westlichsten Pub Irlands, dem „Guiltys“, um dort nach ihm zu fragen. Wir trinken guten irischen Kaffee und zwei freundliche, junge Kellnerinnen versuchen uns zu erklären, wo er zu finden ist. Wir versuchen, mangels besserer Sprachkenntnisse zu verstehen und an irgendeinem Punkt haben wir ein kleines Maß an Übereinstimmung gefunden.
Wir finden sein Anwesen tatsächlich fast auf Anhieb und erleben einen großen, kräftigen Iren mittleren Alters, der rein körperlich den Eindruck einer Dampfwalze auf uns macht, dafür aber ausgesprochen freundlich und umgänglich ist. Das bleibt er auch, nachdem wir dankend abgelehnt haben, sein Cottage zu mieten. Zwei einzelne Bettgestelle in getrennten kahlen Räumen und danebenliegende Matratzen mit großen eingetrockneten Flecken entsprachen nicht unseren Vorstellungen von einem 450-Euro-Haus. Auch eine gemeinsame Küchennutzung wollte uns nicht motivieren. Die Surfer wären damit zufrieden, meinte Chris, davon hätte er jedes Jahr ziemlich viele. Schlafen die in ihren feuchten Neopren-Anzügen auf diesen Matratzen ? Er lacht, bleibt nett und ruft sogar einen Freund an, um uns anderweitig unterzubringen. Der ist allerdings nicht zu erreichen. Wir verabschieden uns ebenfalls freundlich und suchen weiter.
Der Nachmittag neigt sich gegen den Abend. Über der Bucht von Keel, wo wir mittlerweile angekommen sind, sinkt am Horizont die fahle Sonne in Richtung Atlantik. Es dämmert bereits und wir haben keine Bleibe. Wir beschließen, den nächsten Einheimischen, der uns begegnet, nach einer der Übernachtungsmöglichkeiten auf unserem A4-Plan zu fragen. Das gestaltet sich nicht so einfach, wie wir uns das vorstellen. Der Samstagnachmittag dient hier sowohl der Ruhe und der Erholung, als auch der Vorbereitung auf ein spätes Dinner und ein noch späteres Guinness, was wir allerdings zu dieser Zeit noch nicht wissen. So wundern wir uns über den menschenleeren Ort und wollen fast aufgeben, als wir vor einem Haus an der Hauptstraße einen Mann sehen, der Torfstücke stapelt. Wir halten an und ich steige aus, grüße freundlich, stelle mich als Deutscher mit schlechten Sprachkenntnissen vor und bitte ihn, uns zu helfen. Sein Name ist Brendan Lavelle und er antwortet in Deutsch, mit Betonung jeweils auf dem R und einem O als A: “wunderbar“. Das war wohl das einzige deutsche Wort, an das er sich aus seiner Zeit in Deutschland als Bauarbeiter erinnerte. Hier bin ich richtig, der Mann spricht meine Sprache, auch wenn er es in Englisch tut. Auf dem Papier steht u.a. die Fuchsia Lodge und Brendan versucht mir zu erklären, daß der Eigentümer derselben, in diesem Moment bei ihm, in seinem Haus wäre. Brendan lebt mit seiner 99-jährigen Mutter hier und sein Bruder Martin besucht sie gerade. Als der aus dem Haus tritt, fällt uns Chris Cuttigan wieder ein. Wie sich später herausstellt, ist jener Martins und Brendans Halbbruder. Dieselbe Statur, groß und breit, aber ebenso eine eher gemütliche Ausstrahlung. Wir begrüßen uns per Handschlag, stellen uns vor und er meint, er muß nur mit seiner Frau sprechen, die verwalte die Fuchsia Lodge. Wir steigen ins Auto und fahren seinem massigen Landrover mit englischem Kennzeichen hinterher. Billigere Steuern, erklärt er uns später. Als wir nach einer kurzen Fahrt am Cottage ankommen, sind wir sofort begeistert. Das weiß getünchte Haus steht etwas oberhalb der Straße neben dem Wohnhaus der Lavelles. Weit genug entfernt, um allein sein zu können, aber doch so nahe, um quer durch den Garten, falls nötig, Kontakt aufzunehmen. Margaret Lavelle ist uns gleich sympathisch. Sie und ihr Mann sind etwa in unserem Alter. Sie erklärt uns, daß ihr Mann sogar etwas jünger wäre und wir bestätigen ihr, daß es bei mir und meinem lieben Weib genauso ist. Daraufhin erklärt sie mich zum „Toy-Boy“, denn so nennt man hier die Männer, die mit einer „älteren“ Frau verheiratet sind. Wir lachen herzlich, sie bietet uns einen Preisnachlaß wegen der Nebensaison und bittet uns, nachdem wir das schöne Haus besichtigt haben, um eine Stunde Zeit, um aufräumen zu können. Schließlich habe sie im Oktober nicht mehr mit Gästen gerechnet. Wir willigen frohen Herzens ein und fahren zu „Guiltys“, um etwas zu essen.
In diesem Haus haben wir drei Schlafzimmer, was viel zuviel ist, aber wir können wählen, wo wir schlafen. Es gibt zwei Duschbäder und in einem auch eine Wanne. Die werden wir eher nicht brauchen, da wir viel lieber duschen als baden. Im großen Wohnzimmer gibt es einen Kamin. Der wird allerdings nicht mehr genutzt. Für ein gemütliches Torffeuer steht in der Kaminnische ein gußeiserner Ofen mit einer gläsernen Tür. Das schafft auch Gemütlichkeit, wie wir später erleben. Die Küche ist riesig und mit allem ausgestattet, was man sich nur wünschen kann. Waschmaschine und Wäschetrockner gibt es ebenfalls. Und das alles für einen annehmbaren Preis von 500 Euro. Wir sind überglücklich und freuen uns auf die kommende Woche.
Nach einer knappen Stunde sind wir wieder in der Fuchsia Lodge und richten uns häuslich ein. Über dem Atlantik braut sich ein Unwetter zusammen. Bis Mitternacht geht ein Sturm über Keel hinweg. Er rüttelt am Dach des Cottages und wir lauschen lange den ungewohnten Geräuschen. Das Haus ächzt und stöhnt, aber es hält stand. Es ist ein gutes, stabiles irisches Haus. Das ist sicherlich nicht sein erster Sturm, seit Großvater Lavelle es gebaut hat. Nach Mitternacht kehrt Ruhe ein und zwar soviel, daß ich sie hören kann. In meinen Ohren rauscht laut das Blut und ich stelle fest, das es hier kein unterschwelliges Geräusch, wie in der Großstadt Berlin, gibt. Dieses mulmige Brummen und Summen, das man erst erkennt, wenn man es nicht mehr hört. Wir schlafen neun Stunden durch und fühlen uns am nächsten Morgen mehr als prächtig. Wie auch an allen folgenden.

Aktivitäten

Nun gilt es, in 7 Tagen die Insel zu erkunden. Das tun wir zuerst auf dem Atlantik-Drive, der einmal um die ganze Insel führt und zwar bergauf und bergab. Es gibt herrliche Aussichtspunkte und jede Menge Strände in Sand und Stein. Es dauert fast einen ganzen Tag, die Runde zu fahren und alles zu genießen.
Sehenswert auch das von Böll beschriebene "Deserted Village", verlassene Häuser aus der Steinzeit. Wir klettern zwischen den Ruinen umher und beobachten Touristen, die aus dem Auto steigen, nur, um ein Foto zu schießen und wieder abzufahren. Okay, auch eine Art, um Urlaubserfahrungen zu verinnerlichen.
Ein steinzeitliches Grab (Megalith Tomb) gehört ebenfalls zu unseren Erkundungen, dazu müssen wir nur knapp 300 Höhenmeter überwinden. Seitdem gibt es für uns ein geflügeltes Wort, wenn uns mal etwas außer Puste bringt: "Die ersten 10 Meter ..." !
So läßt sich täglich auf Achill Island Neues entdecken und wir haben sicher noch nicht alles gesehen. Deshalb müssen wir einfach nochmal wiederkommen.
Erlebnisse ganz besonderer Art, sind die Shopping-Ausflüge und die Pub-Besuche. Genau hier treffen wir auch die Einheimischen. Anfänglich eher zurückhaltend, werden sie meist aufgeschlossen, wenn sie hören, daß wir aus "Germany" sind. Schnell kommen wir ins Gespräch, z.B. daß in Irland am Sonntag vor "half twelve" (12:30 Uhr) kein Alkohol verkauft werden darf. Also, erst in die Kirche und dann in den Pub oder den Supermarkt. Die Einheimischen belächeln unsere Unkenntnis, mir bleibt schleierhaft, warum "half twelve" nicht halb zwölf bedeutet ? Wir stellen den Cidre und das deutsche Weizenbier, welches als Geschenk für unsere Gastgeber herhalten sollte, wieder zurück ins Regal und bummeln nebenan durch eine Boutique, um für Maria einen Gürtel zu kaufen. Pünktlich um 12:30 Uhr räumen wir Cidre und Bier wieder aus dem Regal in den Einkaufskorb. Wie wir an der Kasse feststellen können, sind wir nicht die Einzigen. Dafür haben wir uns mit je zwei Flaschen begnügt, während die Iren das Zeug kistenweise in ihre Autos laden.
So erlebt in Castlebar bei Aldi. Ja, richtig gelesen. Aldi betreibt in ganz Irland Filialen mit den jeweils regionalen Produkten. Das wünschte ich mir in Deutschland auch. Meine Milch muß nicht aus Bayern und die Eier nicht aus Hessen kommen. Der Markt macht einen supersauberen Eindruck und mindestens 10 Angestellte in grünen Shirts wuseln geschäftig im Laden herum. Zwischen den Regalen stehen die Iren in kleinen Grüppchen und tratschen nach dem Kirchgang über Gott und die Welt. So frisch wie hier in Irland, habe ich zu Hause auch noch nicht eingekauft und das an "jedem Sonntag" in diesem ach so katholischen Land. Das sollte einigen Leuten in Germany mal zu denken geben. Die Trennung von Staat und Kirche wird hier zumindest in dieser Hinsicht ziemlich pragmatisch gehandhabt.
Wie schon erwähnt, kauft es sich bei "Sweeneys" besonders gut ein. Hier gibt es einfach alles. Naja, fast alles. Umgehauen hat uns wieder die Qualität von Fleisch, Fisch, Käse, Backwaren und überhaupt allen Produkten. Wir stellen fest, das die billigen Lebensmittel in Deutschland auch wirklich der Kategorie "billig" zuzurechnen sind, sie würden einem Vergleich mit irischen Angeboten nicht standhalten. "Sweeneys" verkauft aber nicht nur Lebensmittel, hier bekommt man alle Waren des täglichen Bedarfs. Von der Stricknadel über die Salatschüssel bis hin zum Kaminofen oder sogar einem Traktor, alles das gibt es hier, wenn man nur das nötige "Kleingeld" hat.
Apropos Kleingeld. Dazu fällt mir eine kleine Anekdote ein. Das Cottage, welches wir für eine Woche in Keel gemietet haben, muß bezahlt werden und zwar in "cash". Es ist Sonntag und nach deutschen Vorstellungen hat alles, was handelt oder verkauft, am Wochenende geschlossen. Nicht so im "katholischen" Irland. s.o. Von 11 - 19 Uhr hatte hier alles geöffnet, was nur irgendetwas feilzubieten hatte. Für uns Berliner der klare Beweis, daß es doch geht mit den Ladenöffnungszeiten ! Eine Bank haben wir auf der Insel nicht entdeckt und wir suchen fast schon verzweifelt einen Laden, der einen Geldautomaten "betreibt". In Irland stellt die Bank den Ladeninhabern oft einen Geldautomaten zur Verfügung, den diese dann für einen gewissen Prozentsatz selber füllen und betreiben. Die Iren sind ja allgemein ein freundliches Volk und auf unsere Nachfragen hin, empfahl man uns immer wieder "The Windy Corner" bei Sweeneys. Jetzt ist die ganze Gegend um die Brücke alles andere als windstill, also welche Ecke ist gemeint ? Es dauert eine Weile, bis wir den in der Wand eingelassenen, von zwei schmalen, mit Werbung beklebten Plexiglasscheiben, eingerahmten Automaten endlich finden. Gleich rechts hinter der Brücke, an der Ecke des Cafe´s. Zwischen den Scheiben drängen sich zwei Raucher, die Schutz suchen vor dem kräftigen, kalten Wind und qualmen, gemäß dem Rauchverbot, draußen ihre Glimmstengel. Das machen die Iren seit Jahren überall ohne Murren und sehr diszipliniert. Als wir erkennen, daß es sich hier endlich um den von uns gesuchten "Geldgeber" handelt und keine Schutzhütte für Raucher ist, lassen wir die zwei Genießer gewähren und dann kommen wir endlich an unser Geld. Alles in Zwanzigern, aber das wird den Vermietern ziemlich egal sein.
Die meinen es sowieso ziemlich gut mit uns. Jeden Tag bringt uns Martin frische Filets, von selbstgefangenem Fisch. Mal sind es Makrelen, mal ist es Kabeljau, einfach köstlich. Wir bitten ihn, eine Bootstour mit uns zu machen. Mit "Angeln", im Sinne von Stippe ins Wasser und warten, hat das dann aber wahrlich nichts zu tun. Das hier grenzt an "Arbeit". Heißt, eine Leine, an der mindestens 6 riesige Haken befestigt sind, wird mit einem schweren Blei in eine bestimmte Tiefe abgelassen und dann zieht man im Minutentakt genausoviele Makrelen an Bord. Das Boot schaukelt wie wild auf den riesigen Wellen, die von allen Seiten über die Bootswände schlagen, wir sind ja mitten auf dem Atlantik, das Wasser ist saukalt und die Fische in der Regel mehr als glitschig. In der Linken die Rute, versuchen wir mit der Rechten, die widerspenstigen, wild durcheinander zappelnden Filetträger vom Haken zu lösen und ich habe mehr Einstiche von "Hooks" und stachligen Rückenflossen in den Fingern, als von Marias Kakteen auf dem heimischen Balkon. Aber der Spaß ist unbezahlbar und gipfelt darin, daß mein liebes Weib, welches vorher noch nie geangelt, sorry, gefischt hat, einen größeren Fisch aus dem Atlantik zieht, als die beiden Profis und meine Wenigkeit. Ein riesiger Pollack, aus der Familie der Kabeljaus, ist ihr an die Angel gegangen und gaukelt ihr vor, er wäre ein Bremsklotz oder ein Cliffhänger. Erst als Brendan helfend einspringt, können sie den Fisch ins Boot hieven. Das gibt leckere Filets. Hut ab, liebes Weib, den Profis hast du es aber gezeigt !
Fast jeden Abend gehen wir zum Dinner ins "Guiltys", dem westlichsten Pub Europas. Michael hat hier das Sagen. Michael ist ein alter, grauhaariger Fischer, der seinen Lebensabend mit der Pflege dieses örtlichen Treffpunkts für Iren und Touristen bereichert. Ein gut gezapftes Guinness gibt es hier und sein Koch zaubert einen köstlichen "Roast of the Day", Lamm- oder Schweinebraten, dazu einen noch köstlicheren "Fisch des Tages". Zu seinen Fischerzeiten fing Michael riesige Haie im Netz, jetzt fängt er Menschen mit seinen Geschichten und seinem liebenswerten Gemüt. Der Schalk sitzt ihm im Nacken und in seinen Augen lächelt ein Witz, den er je nach Lust und Laune versprüht. Man muß schon ziemlich schlagfertig sein, um ihm Paroli zu bieten. Danke Michael, für so manche schöne Stunde.
An unserem letzten Abend verputzen wir bei ihm noch Lamm und Fisch und Blueberrie-Pie, bevor wir umsiedeln ins "Lourdies". Martin und Brendan haben den Vorschlag gemacht, bei Michael zu essen und dann ab Mitternacht im "Lourdies" bei reichlich Guinness in den Sonntag hineinzufeiern. Kann ich in Irland Auto fahren, wenn ich schon 5 Pints intus habe ? Natürlich nicht, ich würde es nirgends tun. Aber Laufen kommt auch nicht in Frage, weil einfach viel zu weit. Die Lavelles organisieren Mitfahrgelegenheiten. Kleinwagen, in die sich bis zu 6 Leute quetschen. Hauptsache drin und gefahren. Enge schafft Gemütlichkeit und so ist schon die Fahrt mehr als lustig. Wir kriegen uns kaum ein vor Lachen. Dann stehen wir im lauten "Lourdies" zwischen mindestens hundert Einheimischen an der Theke und die Guinness werden im Viertelstundentakt aufgefahren. Am Ende habe ich, wenn ich mich nicht verzählt habe, 11 Pints und die Reste von Marias Halfpints getrunken und ich stehe erstaunlich sicher, erzähle in meinem miserablen Englisch deutsche Witze mit französischem Akzent und fühle mich prächtig. Jeder, der später hinzukommt, wird an die Theke gezogen und ich muß die "Jokes" erneut zum Besten geben. Noch nie habe ich so viel gelacht und zwar aus ganzem Herzen. Als mich dann einer scherzhaft fragt, was passiert, wenn er sich an meine Frau ranmacht, zeige ich auf die Eingangstür und meine zu ihm, wir werden dann mal kurz rausgehen und uns zusammen den Mond und die Sterne ansehen. Was für ein riesiges Gelächter und Brendan haut mir auf die Schulter und meint: "You are a Irishman !". Im Cottage stoßen wir gegen 03:30 Uhr mit einem guten Bushmills, der hier übrigens ganze 15 € teurer als in Deutschland ist, mit Martin auf den schönen Abend an und dann haben wir aber wirklich genug. Abgesehen von einem ziemlichen Kater am nächsten Morgen, war das mit Abstand eine der schönsten Feiern in unserem Leben.

Geschichte(n)

Es gibt eine historische Figur, die als Piratenkönigin um 1530 – 1600 bekannt war, die Granuaile oder Gráinne Ní Mhaille (Englisch: Grace O’Malley). Sie war die Clanchefin der Umhall in der Grafschaft Mayo. 1596 wurde sie als Förderin aller Rebellionen in Connacht in den zurückliegenden 40 Jahren bezeichnet. Publik wurde sie aber erst mit den romantisierenden Einflüssen des 19. Jahrhunderts.
Man erzählt sich, daß 1798, zu Zeiten der Rebellion der United Irishmen, die Lavelles nach Irland und auch nach Achill einwanderten. Es soll Auseinandersetzungen gegeben haben, die für die O´Malleys nicht gut ausgingen. Die Lavelles siedelten sich auf Achill an und behaupteten sich seitdem in Überzahl gegen die Iren.
Ich verbürge mich nicht für den Wahrheitsgehalt. Witzig ist, daß Margaret Lavelle eine geborene O´Malley ist. Das spricht für die friedlichen Beziehungen der heutigen Bewohner der Insel. Oder gibt es hier etwa noch alte, heimliche Rituale, wie Frauenraub oder Opfergaben in Form von Bräuten ? Wohl eher nicht, die Leute hier wirken doch ziemlich aufgeschlossen und aufgeklärt. Was wir allerdings beobachten können, ist eine gewisse Körperlichkeit der Männer, gepaart mit einer Einsilbigkeit in der Kommunikation, die sich erst nach ein paar Guinness oder längerer Bekanntschaft auflöst, während sich die Frauen durch eine „stille“ Klugheit auszeichnen, welche mit einer hellwachen Beobachtungsgabe einhergeht. Jedes Wort auf den Punkt, man gewinnt sofort den Eindruck, sie wissen ganz genau, was sie wollen und sind auch in der Lage, dieses ihren Männern und der Welt gegenüber durchzusetzen und die Männer scheinen klug genug, sie gewähren zu lassen, wissen sie doch, wie fast überall in der Welt, am Ende wird doch gemacht, was die Frauen denken, sagen oder tun. Die meisten Iren verbringen einen Teil ihres Lebens im Ausland, um Geld zu verdienen, Margaret hat einen Teil ihrer Jugend in London verbracht. Man merkt ihr das an; sie ist kein „Landei“ und sie ist so klug, hier auf der Insel den städtischen Einfluß nicht nach Außen vorzuzeigen. Ich finde, daß macht sie besonders stark und auch liebenswert. Dadurch läßt sie andere Menschen nicht dümmer aussehen, wirkt aber selber natürlich und sicher. So, wie mein liebes Weib. Ich bin überzeugt, daß diese Erkenntnis dazu führte, daß wir uns mit den Lavelles mehr als gut verstehen. Margaret korrigierte bald unser „Thank´s for your Friendly“ zu „That´s Friendship“, worauf wir wirklich stolz sind, bedeutet es doch im Umkehrschluß, daß wir keine wirklich unangenehmen Zeitgenossen sind. Allerdings teilen wir mit den Iren auch nicht unseren Alltag, den dürfen wir dann wieder mit unseren Nachbarn, Kollegen, Verwandten und Bekannten in Deutschland ausfechten. Was nicht heißen soll, daß wir zu Hause nicht umgänglich wären; es interessiert sich nur seltener jemand für uns und unsere Ansichten vom Leben und wir selbst suchen nicht mehr nach sogenannten „Freundschaften“. Zu oft wurden wir enttäuscht von Leuten, denen materielle Dinge das Wichtigste im Leben sind, oder wir werden nach 36 Jahren Ehe von Singles belehrt, wie schlecht unsere Ehe wäre und daß wir eigentlich nicht wirklich zusammenpassen würden. „Freunde“, die mein liebes Weib anbaggern oder alleinstehende „Freundinnen“, die mich aufs Korn nehmen, oder die „netten Bekannten“, die alles, aber auch alles besser wissen, haben keinen Platz in unserer Welt. Im Moment wirkt unser Beziehungskreis ziemlich aufgeräumt. Was ausgesprochen gut ist, denn wir müssen nicht für Verpflichtungen leben, die dann doch nur Kummer bereiten. Wir wünschen uns niveauvolle Bekanntschaften auf Augenhöhe. Die sind natürlich ausgesprochen rar. Es müßte ja nicht jeden Abend ein Theaterbesuch sein, ein Guinness im Pub oder ein Glas Wein in der Küche, bei guter Laune und gegenseitiger Achtung, wären schon ein Anfang. Ein Herz, ein Ohr und eine Schulter würden das gut ergänzen und wir haben mindestens Gleichwertiges anzubieten !
In Irland fanden wir all das aufs Neue, in einem mehr als guten Anfang und ein Ende ist nicht abzusehen. Wir haben Freunde, irische ...

Hill of Tara (Quelle Wikipedia)

Der Ort ist mit Mythen und Legenden verbunden und die wahre Geschichte des schon seit der Steinzeit besiedelten Ortes ist schwer zu fassen. Der „Mound of the Hostages“ stammt aus der neolithischen Periode vor rund 5000 Jahren.
Nach einem dindsenchas (Ortsnamengedicht) des Fintan war Tara zuerst ein Haselwald namens Fordrium. Liath, Sohn von Laigne Lethan-glas, rodete den Wald zur Zeit Ollcans und baute hier Korn an. Danach wurde der Hügel Druim Leith genannt. Unter Cain dem Sorgenfreien, Sohn von Fiachu Cendfindan, erhielt es den Namen Druim Cain. Unter den Tuatha de Danann hieß es Cathair Crofhind. Tea, Tochter des Lugaid und Frau des Erimon, baute hier ein Haus, das mit einem Wall befestigt war. Sie wurde jenseits des Walles auf dem Hügel begraben und man gab ihm den Namen Temair. Unter den Milesiern wurde es Königssitz. Nach der Mythologie soll der Name von der keltischen Göttin Tea stammen. Tea Múr, Teas Mauer, wurde zu Temair. Zuvor hatten die Tuatha de Danann hier den Lia Fáil, ihren Schicksalsstein, aufgestellt. Er steht im Zentrum, neben der Bildsäule St. Patricks. Ursprünglich stand er in der Nähe des Hügels der Geiseln. Dann wurde er hier zu Ehren derjenigen wiederaufgestellt, die in der "Irischen Rebellion" von 1798 starben. Die Überlieferung besagt unter anderem, daß hier die Könige auf dem Stein gekrönt wurden und daß dieser brüllte, wenn der König akzeptiert wurde.
Der Legende nach war Tara der Sitz der Hochkönige. Von hier sollen über 140 Könige der südlichen Ui Néill (O'Neill) geherrscht haben. Als Garant gesellschaftlich-kultureller Einheit der Provinzen Irlands wurde und ist Tara jedoch ein wichtiges Symbol irischer nationaler Einheit und Identifikation. Dazu trugen besonders die Überlieferungen im Book of Leinster (ca. 1160) und im Yellow Book of Lecan (um 1400) bei, die es von anderen Königssitzen so nicht gibt.
Der Gott Nuada (mit der silbernen Hand) wurde hier wieder in sein Amt eingesetzt. Der pankeltische Gott Lugh erschien in Tara.
Von der Anlage auf dem Hill of Tara sind heute lediglich einige von Gras überwucherte Grundrisse erkennbar.

Warum fahren wir am letzten Tag unserer Reise nach Tara ? Warum zieht es uns förmlich mit Macht zu diesem grünen Hügel, der einmal hochgeistiges und kulturelles Zentrum der keltischen Iren war und noch immer Menschen aus aller Welt anzieht ? Weil wir meinen, daß wir keltischen Ursprungs sind ! Sowohl geographisch, was die Heimat unserer Vorfahren angeht, als auch geistig. Wir können und wollen uns nicht mit den Strukturen und Regeln des römisch-christlichen Abendlandes gemein machen. Es genügt schon, daß wir diese Gesellschaften und ihre Einstellungen zu Natur und Leben aufgepfropft bekamen und unter ihnen und ihren Regeln leben müssen. Wir sehen unsere kulturellen Wurzeln nicht in der griechischen oder römischen Geschichte und absolut nicht, in der des Christentums. Vielleicht übt die keltische Kultur so eine Faszination auf uns aus, weil man nicht mehr allzuviel über dieses Volk weiß. Aber das Wenige, das wir über sie in Erfahrung bringen können, überzeugt uns mehr, als alles, was man bisher versucht hat, uns beizubiegen und wir empfinden eine enge, fast vertrauliche Verbundenheit mit ihnen und ihrer Kultur. Vielleicht ist das aber auch einfach nur schlichtes Wunschdenken, als eine Art Flucht vor Kirche und Staat, wie sie seit über 2000 Jahren praktiziert werden.

Mag sein, aber wir haben gewählt und identifizieren uns darüber mit Irland und den Iren.

Wir kehren wieder, wie der Golfstrom und der Regen ...

Fortführung ...

 * irisch = Irland für immer

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